LESERBRIEF: „PUBLIZISTISCHER SLALOM BEI FRAUENFRAGE“

Leserbrief von Christoph Graf, Geschäftsführer/Fraktionssekretär, FDP des Kanton St.Gallen, zum 2. Wahlgang der Regierungsratswahlen, bzw. zum Leitartikel „Es braucht eine zweite Frau in der Pfalz“ von Jürg Ackermann in der Tagblatt-Ausgabe vom Ostersamstag.


Ich schätzte es, wenn ein Medium wie das Tagblatt über klare publizistische Leitlinien verfügt und auch politisch Stellung nimmt. Gerade in Kommentaren können und sollen Redaktorinnen und Redaktoren ihre Sicht der Dinge darstellen, ja Position beziehen. Wer nun aber denkt, beim Tagblatt gäbe es eine klare, zusammenhängende politische Stossrichtung, liegt falsch. Vor rund einem Jahr fanden die Ersatzwahlen für den Ständeratssitz von Bundesrätin Karin Keller-Sutter statt. Die FDP trat mit der heutigen Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher an. Mit einer Frau also. Für einen traditionellen Frauensitz. Gerade der Ständerat drohte damals fast frauenfrei zu werden. Bezog das Tagblatt Position für die Frau? Nein. Das Gegenteil war der Fall. Diese kompetente und ausstrahlungsstarke Frau wurde teilweise niedergeschrieben. Der selbständigen Rechtsanwältin und Vorkämpferin für die Frauenpolitik mangle es an Erfahrung. Nun staunte ich nicht schlecht, als Redaktor Jürg Ackermann kürzlich in seinem Leitartikel das Frauenargument in Zusammenhang mit dem zweiten Wahlgang der St.Galler Regierungsratswahlen über alles stellte. Darlegte, dass es den Frauen in der Regierung an Repräsentation mangle. Und nicht nur das: Gerade aufgrund der anstehenden Fragestellungen sei es wichtig, dass eine Frau gewählt werde. Mit Verlaub, lieber Herr Ackermann, das ist schlicht inkonsequent. Ihr Blatt fährt publizistisch Slalom. Was vor einem Jahr nicht galt, wird jetzt in den Himmel gelobt. Aber wie wäre es, wenn Sie sich über die Vertretung der vielfältigen Regionen des Kanton Gedanken machen? Oder darüber, was der Kanton in der aktuellen Krisensituation wirklich braucht? Ich glaube die Bevölkerung will jetzt einen führungsstarken und krisenerprobten Macher wie Beat Tinner. Und die Regierung braucht eine Vertretung aus dem Süden. Sonst droht die regionale Vielfalt ins Hintertreffen zu geraten. Ich empfehle deshalb Beat Tinner zur Wahl in die Regierung.

Christoph Graf, Geschäftsführer / Fraktionssekretär, FDP des Kanton St.Gallen, Neutröstli 36, 9300 Wittenbach (Berg SG)


 

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